Badische Zeitung hat geschrieben:15 Fluglotsen nutzen ihre Machtposition
FREIBURG. Ein Grüppchen Fluglotsen hat am Montag den Flugverkehr von und nach Stuttgart massiv gestört. Bei dem außergewöhnlichen Ausstand geht es nicht nur um Geld, sondern auch um die Solidarität mit zurückgesetzte Kollegen.
"Die Gewerkschaft nutzt am Flughafen Stuttgart ihr gesamtes Erpressungspotenzial", empört sich Volkmar Krämer, der Sprecher des Flughafens. Den Verlust für die Fluggesellschaften an einem einzigen Streiktag bezifferte er auf eine sechsstellige Summe. "Der Streik ist völlig unverhältnismäßig. Es geht um 200 Euro weniger Lohn für Mitarbeiter, die im Schnitt 4000 Euro brutto im Monat verdienen."
Auslöser des Streiks ist die Entlassung beziehungsweise Versetzung von 23 sogenannten Vorfeldlotsen. Diese hatten bis Ende März den Flugzeugverkehr am Boden geregelt. Ihre Arbeit haben mittlerweile Kollegen im Tower übernommen, wie es bei anderen Flughäfen vergleichbarer Größe üblich ist. Neun der Vorfeldlotsen wurde deshalb gekündigt. Ihnen hat die Geschäftsführung eine Abfindung angeboten. Die verbleibenden 14 Vorfeldlotsen, nun Ex-Vorfeldlotsen, tragen jetzt deutlich weniger Verantwortung als zuvor. Sie arbeiten in der Verkehrszentrale des Flughafens, überwachen die Einhaltung der Verkehrsvorschriften auf den Rollfeldern, steuern die Flugzeug-Einwinker und machen den Winterdienst.
Für diese weniger anspruchsvolle Arbeit will ihnen der Flughafen auch entsprechend weniger Lohn zahlen. "Die Zulage für die Arbeit als Vorfeldlotse beträgt 200 Euro. Das wollen wir nicht mehr bezahlen", sagt Flughafen-Sprecher Krämer. Nach seiner Darstellung geht es aber nicht um 200 Euro, sondern um mehr. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) fordere 35 Prozent mehr Lohn. Dem widerspricht die GdF: "Uns geht es nur noch darum, dass die ehemaligen Vorfeldlotsen den gleichen Lohn bekommen wie vor ihrer Versetzung", sagt Gewerkschaftssprecher Marek Kluzniak. Man sei mit der Forderung nach 30 Prozent, nicht 35, mehr Lohn in die Verhandlungen eingestiegen, räumt er ein. Damals sei aber nicht klar gewesen, dass die Vorfeldlotsen die Verantwortung für den Bodenverkehr verlieren würden. "Wenn ihnen außer der Verantwortung auch noch ein Teil des Lohns weggenommen wird, ist das eine doppelte Bestrafung."
Der Streik ist vorerst beendet
Von Anfang März bis Anfang April hatten die Vorfeldlotsen deshalb schon einmal gestreikt, damals jedoch ohne Konsequenzen für den Flugverkehr, weil sich genügend Streikbrecher fanden. Darum hatte die GdF nun für einen zweiten Streik die Fluglotsen aus dem Tower zur Solidarität für die degradierten Kollegen aufgerufen, einen Tag lang von 6 bis 22 Uhr – mit deutlich größerer Durchschlagskraft. Bis zum Montagnachmittag fielen 38 Flüge von und nach Stuttgart aus, 144 Maschinen waren verspätet.
Am Montagabend war nicht klar, ob und wann der Streik fortgesetzt wird. Sicher ist, dass die Gewerkschaft einen weiteren Streik mindestens 24 Stunden vor Beginn ankündigen muss. Eine Ankündigung gab es gestern nicht. GdF-Sprecher Kluzniak sagte, er bedauere, dass sich die Flughafengesellschaft den Tag über nicht mit seiner Gewerkschaft für Verhandlungen in Verbindung gesetzt habe. "Das ist schon ein sehr trauriges Zeichen."
http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/wirtschaft/15-fluglotsen-nutzen-ihre-machtposition--15417364.html






