Ab und an ist es einfach mal Zeit, etwas "anders" zu reisen. Standard war noch nie mein Ding. Nein, es muss nicht immer so ober-fancy sein wie dieses Mal, aber ich pflege gerne mal das Prinzip "A hoch 5" - Alles Anders Als Alle Anderen.
Da ich doch schon in schöner Regelmäßigkeit nach New York "pendel" wurde es mal Zeit, den Kurztrip übers Wochenende zu versüßen.
Also kurz das Internet angeschmissen, mein Meilenkonto gecheckt und - welch Sensation - fast genau 90.000 Miles & More Dinger auf der Karte.
Helau! Gleich mal geschaut, was so geht. Und da war er. Genau an diesem Wochenende buchbar. Der Flug LX018, Zürich - New York (Newark EWR). Type of aircraft gemäß Webseite "737-800". Kenner wissen, dass die offizielle Bezeichnung von Boeing "BBJ2" ist. Registration HB-IIR. Holla die Waldfee! Nun, machen wir es kurz, nach 5 weiteren Klicks war die Sache geritzt!
Von Stuttgart ging es Mittwoch Nachmittag letzter Woche mit der Helvetic F100 (HB-JVE) und einem klasse Intersection Take-Off nach Zürich.
Business war auch auch in diesem kleinen Hüpfer gebucht, was ich aber nicht verhindern konnte. Ist aber mehr oder weniger total egal. Den Schampus braucht mittags um halb 4 auch kein Mensch, aber bei der Schokolade von Swiss, da hört der Spaß auf!
Nach einem sehr kurzen Flug von 35 Minuten sind wir hoppla-hopp in Zürich gelandet.
Danach schnell raus aus dem Flieger, quer durch´s Terminal A, die Treppen runter gewetzt, durch die Passkontrolle und flugs in die Verbindungsbahn zum Terminal E.
Mit nettem Alphorngedüdel, Sound von muhenden Kühen und einem herzhaften Gejodel über die Bordlautsprecher ging die Fahrt ruck-zuck.
Raus aus dem Bähnle, die Treppen hoch gesprintet, das ganze Terminal E durch, nochmals durch die Sicherheitskontrolle (und auf die Flasche Limoncello spekuliert, die die "Checker" der englischen Alkoholtouristin vor mir abgenommen haben.....damn it!), dann noch schnell den Reisepass am Gate durchziehen lassen so dass die TSA in den Staaten auch gleich weiss, wer drüben ankommt und hinein in den Kracherflieger.
Halleluia! Bin ich hier richtig? "Reihe 9" ? Fragte mich die Stewardess an der Türe. "Gerne, am Flügel", fügte sie noch mit einem Lächeln und französischem Akzent hinzu.
Klang schon komisch. In den Widebodys ist Reihe 9 irgendwo an der Einstiegstüre. Beim BBJ tatsächlich am Flügel, da der ganze Kasten mit nur 56 Business/First Sitzen ausgestattet ist. Dunkelblau bezogen, mit schönen Chromeinlagen. Sah wirklich total klasse aus.
So lies ich mich nieder und war baff über den mächtigen Sitzabstand. Ich bin ja nun schon ab und an in der Business geflogen, aber das war der Kracher!
Auf Knopfdruck machte sich der Sitz zu einem fast ebenen Bett und man konnte super schlafen. Selbst mit meinen 1,90 Meter war das kein Problem.
Also erst mal an sämtlichen Knöpfen rumgedrückt bis die Flugbegleiterin kam und meinte, wir würden gleich losrollen, ich solle den Sitz doch senkrecht lassen.
Über die Querbahn sind wir dann ziemlich genau um 17.00 Uhr gestartet.
Ich dachte, ich höre nicht richtig. Sitz ich in einem BBJ oder in der Fokker 100 von vorhin? Man, war der Kübel laut. Aber nicht nur dezent, nein, richtig unangenehm. Das meinte auch der UNO-Diplomat neben mir. "Ob das normal sei", fragte er mich mit schweizer Akzent. Ich meinte, das gehört wohl so. Boeing halt. Er lachte.
Ohne Spaß, wenn ich als Firma oder Privatmann so viel Geld auf den Tisch des Hauses Boeing lege und bekomme ein Produkt, das ab dem Flügel lärmmäßig nur unter Leidensfähigkeit zu gebrauchen ist, wunder mich das schon sehr. Da ist jeder Airbus ganz hinten leiser wie der BBJ ab dem Flügel.
Im Reiseflug ging es dann einigermaßen, obwohl "leise" auch etwas anderes ist.
Nun gut, nicht meckern, drinsitzen und genießen.
Gleich nach dem Start klapperten die Flugbegleiter in der Küche.
Das Abendessen wurde vorbereitet.
Und das, meine sehr verehrten Sportsfreunde, war auf Weltklasseniveau! Fast schon sterne-verdächtig. Ich hatte noch nie in einem Flugzeug ein so hervorragendes Essen. Da stimmte einfach alles. Sogar die Weine dazu waren der Knaller. Nach kurzem Kopfnicken orderte mein schweizer Sitznachbar mit dem Diplomatenpass und ich gleich mal eine Flasche vom französischen Roten. Uiii, der zischte
Das Bild zeigt die Vorspeise:
So bretterten wir dahin. Es war, obwohl wir um 17.00 Uhr local in Zürich gestartet waren, bis zur Landung in EWR um 20.00 Uhr local ein kompletter Tageslichtflug.
Personal-TV gab es übrigens auf ganz hohem Niveau. Wer glaubt, die Deckenmonitore auf dem Bild seien alles, der irrt.
Nach dem Essen wurden jedem Fluggast ein Gerät in der Größe eines DIN A5 Buches ausgeteilt. Dort waren sämtliche Videofilme, Musiktitel, Hörbücher, Spiele und was weiss ich nicht alles, gespeichert. Habs dann aber doch weggelassen und mit meinem schweizer Sitznachbarn ganz genüsslich auf dem MacBook "The Italian Job" über Kopfhörer angeschaut. Die Action und der Rotwein waren genau richtig. *Klong*
Klasse war übrigens auch, dass es einen "normalen" Kaffee an Bord gegeben hat. Nicht die übliche amerikanische Version mit einer durch´s Kaffeewasser durchgeschossenen Bohne. Hat mit dem Schoko-Creme-Dingens echt klasse geschmeckt.
Nach Film und Dessert legte ich mich noch für 3 Stunden hin, damit ich bis New York wenigstens noch ein bissl Schlaf hatte.
Gegen 20.00 Uhr local landeten wir in Newark.
Total entspannt stieg ich aus dem Flieger, nicht ohne noch ein paar Stück Swiss-Schokolade mitzunehmen. Wer in den USA einmal "Hershey´s" gegessen hatte, ist kurz davor, sich hinter die U-Bahn zu werfen. Das geht gar nicht! Ich bringe mal eine Tafel mit an den real. Jawoll, sowas essen Menschen drüben
Milka und Lindt stehen da aber ganz hoch im Kurs, meine Herren!
An der Einreise war dann die Schlange recht groß. Computerprobleme! Aber wie! 1 Stunde dauerte es, bis ich durch war.
Irgendwie wollte man von mir dann auch nur noch den Zeigefinger als Abdruck und auf ein Verbrecher-Bild mit der Logitec Webcam verzichtete man auch. Komisch. War noch nie so.
Egal, raus aus dem Laden und heim. Erst mal lecker nachcatern. Gell Sposi
Und so ging ein wirklich toller Flug zu Ende.
Auf dem Rückweg letzten Montag durfte ich das Ganze dann nochmal genießen. Genauso perfekt wie auf dem Hinflug. Nur mit dem Unterschied, dass ich in Reihe 3 gesessen bin. Da war´s herrlich angenehm leise.
Ich hoffe, dieser kleine Bericht hat Euch gefallen.
Nach MD11F und AN-12 nun der BBJ in der Version 2 als exotischer Flieger.
Not bad, not bad!
Viele Grüße
Long Beach





